Sie klettern in große Höhen, pflegen Baumkronen oder beseitigen Sturmschäden – und sie sind ausgebildete Spezialisten. Baumpfleger haben einen einzigartigen Job, der sie eng mit der Natur verbindet. Was den Beruf ausmacht, hat uns Thoren Benk erzählt.

Als ausgebildeter „European Treeworker“ arbeitet Thoren Benk bereits seit über 15 Jahren als Baumpfleger. Christoph Kühnel aus unserem Redaktionsteam hat für Euch mit dem Geschäftsführer der Benk GmbH aus Mülheim an der Ruhr gesprochen – und dabei erfahren, was den Beruf so besonders macht.

 

Frage: Wenn Kinder ihren Berufswunsch nennen, möchten Sie Tierarzt, Pilot, Fußballspieler oder Model werden. Baumpfleger kommt selten vor. Thoren, warum hast Du diesen Job gewählt?

Thoren Benk: Weil dieser Beruf einzigartig ist! Wer einen Arbeitstag lang in den Beruf schnuppert, merkt das recht schnell. Der Job ist sportlich, weil ich in Baumkronen klettere. Hinzu kommt, dass ich Verantwortung übernehmen kann. Schließlich kümmere ich mich um die ältesten Lebewesen auf unserer Erde. Das macht einfach Spaß.

 

Frage: Und das wolltest Du seit Deiner Kindheit machen?

Thoren Benk: Ich bin tatsächlich in eine Familie hineingeboren worden, bei der Baumpflege zum Alltag gehört. Wir hatten schon damals einen Betrieb. Richtig interessiert hat mich dieser Beruf aber erst, als ich 17 oder 18 Jahre alt war. Dafür habe ich schon früh meine Begeisterung fürs Sportklettern entdeckt. Ich war elf Jahre alt, als ich zum ersten Mal in einer Kletterhalle war. Die waren damals noch nicht so weit verbreitet, das war also ein aufwendiges Hobby.


Sportlicher Job mit Verantwortung: Thoren Benk hat eine nicht alltägliche Berufswahl getroffen.

Frage: Hat Dir diese Erfahrung geholfen?

Thoren Benk: Klar, beim Sportklettern habe ich mich daran gewöhnt, dass es mehrere Meter in die Höhe geht. Ich kenne aber auch Kollegen in der Baumpflege, die damit anfangs mächtig Probleme hatten und erst nach längerer Zeit mit der Höhe zurechtkamen.

 

Frage: Hast Du denn manchmal noch Angst?

Thoren Benk: Auch für mich gibt es bis heute Momente, in denen ich mich nicht wohlfühle. Viele Unfälle passieren, weil die Standsicherheit des Baumes falsch bewertet wurde oder weil ein Ankerpunkt ausgebrochen ist. Für Anschlagpunkte etwa auf Dächern oder an Fassaden – wie sie in der Industrie in der Regel verwendet werden – gibt es Normen, die klar festlegen, wie viel die Anschlagpunkte aushalten müssen. Das gibt es für einen Baum natürlich nicht. Da muss ich entscheiden, ob mich die Struktur trägt. Wenn ich mich dabei unsicher fühle, breche ich den Einsatz erst einmal ab und suche nach einer Lösung.

 

Frage: Das hört sich gefährlich an. Wie wichtig ist Dir Sicherheit?

Thoren Benk: Die ist mir natürlich sehr wichtig. Wenn ich mit einem Seil im Baum klettere, ist eine permanente Sicherung ein Muss. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob ich darauf verzichte, zumal es durch die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) vorgeschrieben ist. Klare Anforderungen werden übrigens auch an die Ausrüstung gestellt. Bei allen Arbeiten im Baum müssen wir als Teil der Persönlichen Schutzausrüstung zum Beispiel einen Gurt tragen, der gemäß EN 358 oder EN 813 als Auffang- oder Sitzgurt zertifiziert ist.


Pflicht bei Höhenarbeiten im Baum: eine permanente Sicherung.

Frage: Gibt es neben der vorgeschriebenen Norm weitere Kriterien, auf die Du bei der Auswahl Deiner Ausrüstung achtest?

 Thoren Benk: Ein Gurt sollte auch bequem sein, das ist wichtig. Wenn ich in einem Baum arbeite, trage ich meinen Gurt oft viele Stunden am Stück. Deshalb muss er optimal sitzen, ansonsten wird das auf Dauer unangenehm. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Auswahl der Ausrüstung auch davon abhängig gemacht werden sollte, welche Tätigkeiten ich überhaupt ausüben möchte. Für Baum- und Nisthöhlenkontrollen klettert man nur für kurze Zeiträume auf Bäume. Daher ist es mitunter nicht erforderlich, dass ein Gurt für lange Arbeiten in sitzender Position geeignet ist. Bei Fällungen oder anderen schweren Aufgaben benötige ich dagegen einen stabilen und gut unterstützenden Gurt, an den ich auch einmal eine große Säge hängen kann.

 

Frage: Mehr muss ich also nicht wissen, wenn ich Baumpfleger werden möchte?

 Thoren Benk: Den Beruf darf im Prinzip jeder ausüben. Vorgeschrieben ist aber die Teilnahme am Einstiegskurs in die Seilklettertechnik, der sogenannte SKT-A. Dabei lernt man unter anderem verschiedene Aufstiegstechniken, Rettungsabläufe und auch, die Baumsicherheit zu beurteilen. Das allein reicht schon aus, um als Baumpfleger klettern zu dürfen. Möchte jemand mit der Motorsäge im Baum arbeiten, muss er einen Nachweis über 300 Stunden Klettererfahrung erbringen und sich weitere 40 Stunden beim SKT-B-Kurs fortbilden.


Ausgebildete Spezialisten: Baumpfleger müssen ihre Klettererfahrung nachweisen.

Frage: Kommt es als Baumpfleger also nur darauf an, dass ich richtig klettern kann?

Thoren Benk: Es ist zumindest das, was die Berufsgenossenschaften vorgeben. Tatsächlich geht es dabei nur um die Zustiegstechnik. Die Baumpflege, um die es in unserem Beruf geht, lernt man in den Kursen nicht. Es ist daher umso wichtiger und auch unverzichtbar, sich gleichzeitig auch das Wissen über Bäume und ihre Pflege anzueignen. Daher empfiehlt es sich, auch in diesem Bereich entsprechend qualifiziert zu sein. Man kann sich als Fachagrarwirt oder „European Treeworker“ ausbilden lassen oder ein Studium im Bereich Arboristik absolvieren.

 

Frage: Du bist ausgebildeter „European Treeworker“ und arbeitest seit über 15 Jahren als Baumpfleger. Gibt es Projekte, die Dir dabei besonders in Erinnerung geblieben sind?

 Thoren Benk: Da gibt es viele. Die Pflege von Naturdenkmälern gehört auf jeden Fall dazu. Auch die Pflege von Jungbäumen ist toll, wenn man teilweise jährlich daran arbeitet und sieht, wie sich die Bäume in diesem Zeitraum entwickeln. Zum Zapfenpflücken und zur Saatguternte bin ich in Rheinland-Pfalz auch schon mal auf fast 50 Meter Höhe geklettert und habe fast den ganzen Tag in den Bäumen verbracht. Körperlich anstrengend, aber für den Kopf total entspannend. Dazu ist die Arbeit in der Stadt, bei denen man immer wieder Menschen begegnet, eine schöne Abwechslung.

 

Frage: Du warst aber nicht nur beruflich beim Baumklettern im Einsatz, sondern vor ein paar Jahren auch bei Meisterschaften erfolgreich …

 Thoren Benk: Das stimmt. Aber da habe ich auch noch jeden Tag im Baum gearbeitet. Als Geschäftsführer habe ich dazu inzwischen nur selten Gelegenheit. Bei Deutschen Meisterschaften oder internationalen Wettkämpfen im Baumklettern hätte ich daher wohl keine großen Chancen mehr, auch wenn es vermutlich weiterhin großen Spaß machen würde, die vorbereitenden Parcours in den oft tollen Bäumen zu klettern.

 

Thoren, wir danken Dir, dass Du mit uns die Begeisterung für Deinen Beruf geteilt hast.

Infobox „Zur Person“
Thoren Benk ist in Mülheim an der Ruhr Geschäftsführer der Benk GmbH mit insgesamt 20 Mitarbeitern, der Baumkletterpflegeschule Benk und von Climbtools, einem Fachhandel für Klettertechnik und Baumpflege. Sein Talent in den Bereichen Baumpflege und Klettern hat Thoren Benk mehrfach bei Titelkämpfen bewiesen und dabei mehrere Titel gewonnen. Er wurde im Baumklettern etwa Deutscher Meister (2006 und 2008) und gewann die Belgische Meisterschaft (2009), bei nationalen und internationalen Wettkämpfen belegte er zudem vordere Plätze.