Über dem Gardasee verlaufen mit der „Via dell‘ Amicizia“ und dem „Rio Sallagani“ zwei spannende Klettersteige. Nils und Daniel, die Söhne unseres Kollegen Ralf Roth, haben getestet, was sie zu bieten haben. Für Euch berichten sie über ihre Erlebnisse und haben auch ein paar hilfreiche Tipps.

Der „Via dell‘ Amicizia“ ist ein Vorzeigesteig, der fast alles bietet, was man von einem Topklettersteig erwarten kann. Ausgangs- und Zielpunkt für unsere sechsstündige Tour war Riva del Garda. Auf gut ausgebauten Straßen und Wegen haben wir die ersten Höhenmeter bis zur Bastione gemacht. Dort lohnt sich eine Pause! Der Blick auf den Gardasee hat uns bereits an der Stelle fasziniert. Von der Bastione aus haben wir den Anseilplatz erreicht. Ab dieser Stelle solltet ihr mit Klettergeschirr ausgerüstet sein, denn dort beginnt der eigentliche Klettersteig. Zwischendurch haben wir, über Leitern und Bänder, wieder flachere Passagen erreicht, die ohne Hilfsmittel zu besteigen waren.


Nur ein paar Drahtseile unter den Füßen – sonst nichts.

Die Route setzte sich abwechslungsreich fort – mit extrem steilen Abschnitten mit Leitern und flacheren Terrassen mit Buschwerk. Höhepunkt in dieser Passage war die besonders lange Leiter im dritten Abschnitt. Da solltet Ihr schwindelfrei sein! Denn außer ein paar Stahldrähten habt Ihr über 100 Meter über dem Boden nichts unter den Füßen. Diese Passage geschafft, haben wir uns erstmal eine Pause gegönnt. Die Strapazen hatten sich aber gelohnt. Wir haben eine unglaubliche Aussicht genossen, bevor wir uns nach einem Fußmarsch durch eine erdige Rinne und über einen Grad auf den letzten Abschnitt vor dem Gipfel begeben haben.


Blick vom Gipfel auf Riva am Gardasee.


Unbeschreiblicher Ausblick.

Die letzten Höhenmeter haben wir wieder auf Leitern und steilen Wegen erklommen, bis wir schließlich – vorbei an einem Helikopterlandeplatz und über einen Felsvorsprung – den Gipfel mit der Fahnenstange und dem Gipfelbuch erreicht haben. Der Blick von dem 1220 Meter hohen Berg auf das 640 Meter darunter gelegene Riva ist unbeschreiblich – und der gerechte Lohn für einen kraftraubenden Aufstieg.

Wir empfehlen Euch, die Tour nicht an wolkenlosen Tagen zu machen. Die Sonne brennt dann nämlich unentwegt auf Euch ein. Nehmt auch ausreichend Wasser mit, selbstverständlich ist auch die Kletterausrüstung Pflicht. Klettergurt, Klettersteigset und Schutzhelm müssen sein. Für diese Tour solltet Ihr schon etwas geübt sein und die 1200 Höhenmeter nicht unterschätzen.

Wenn Ihr schon einmal am Gardasee seid, solltet Ihr Euch auch den „Rio Sallagoni“ nicht entgehen lassen. Unsere Kletterherzen hat er jedenfalls höher schlagen lassen. Außerdem eignet dieser Klettersteig sich optimal dazu, bei Einsteigern die Lust am Klettern zu wecken. Die Schlucht bei Riva del Garda ist atemberaubend schön. Die zweistündige Tour ist anspruchsvoll und auf jeden Fall eine Reise wert.

Der Steig beginnt mit einem sehr gut gesicherten Klettermanöver an der linken Schluchtwand entlang über Stahlstufen und Fels einen Bach hinauf. Schon nach wenigen Metern hat uns der Anblick der vom Bach in den Fels geschliffenen Farben und Formen begeistert. Vorbei an großen Felsblöcken und immer steiler den Bachlauf hinauf, sind wir zu einer flacheren Passage gelangt. Die war größtenteils ohne Sicherung begehbar. Schöner Nebeneffekt: Die Pflanzwelt erweckt den Eindruck, als sei man in tropischen Regionen. Denn die hohe Luftfeuchtigkeit lässt völlig andere Pflanzen als im Umland gedeihen und gibt dem Wanderer das Gefühl, einen Regenwald zu durchqueren.


Gut gesichertes Klettermanöver an der Schluchtwand.

Zwei Seilbrücken, die über den Bachlauf gespannt sind, befinden sich ebenfalls in diesem Abschnitt. Weil sie durch ihre Bauweise in der Landschaft kaum auffallen, ist die wunderschöne Aussicht durch den Canyon ungetrübt. Die beiden Brücken bilden durch ihre sehr flexible Konstruktion den schwierigsten Teil der flachen Passage und können durch leicht ausgebaute Wege umgangen werden.


Wie ein Canyon: Schlucht am „Rio Sallagoni“.

Vor dem letzten Abschnitt befindet sich eine Weggabelung. Hier ist der Aufstieg zum Castello Drena möglich, einer sehr sehenswerten Burgruine. Für diejenigen unter Euch, die klettertechnisch noch etwas gefordert werden wollen, gibt es die Möglichkeit, eine weitere etwas schwerere Etappe durch die Schlucht zu nehmen. Die Sicherungsseile hängen dort etwas höher. Daher wird eine Mindestgröße von 1,50 Meter empfohlen. Diese Strecke entlang einer steilen Wand, durch enge Spalte und flache Durchgänge macht besonders viel Spaß, wenn der Bach Regenwasser mit sich führt und so zu einem größeren Strom wird. Das sorgt für einen zusätzlichen Adrenalinkick!

Auf den Rückweg haben wir uns über gut ausgebaute Straßen und Wege gemacht. Vor allem, wenn das Wetter nicht mitspielt, ist dieser Klettersteig die perfekte Alternative und ein Garant für ein großes Klettervergnügen und tolle Eindrücke.