Patricia Lihs ist in die Klettersaison gestartet – und hat neben tollen auch negative Erfahrungen gemacht. Für Euch berichtet unsere SKYLOTEC Athletin über ihre Erlebnisse in Italien und Frankreich.

Der Saisonauftakt begann mit Mehrseillängenklettern. Pünktlich zum Beginn des Sommers und der ersten nicht verregneten Tage startete ich nach Arco am Gardasee. Ziel war die Mehrseillänge „Giovanni Segantini“ am Monte Colodri. Die Tour hat neun Seillängen, weite Hakenabstände und knallharte 7a-Kletterei zu bieten. Sie ist definitiv kein Geschenk – und mental war es für mich eine echte Herausforderung. Meiner Meinung nach ist die dritte Länge die Schwerste. Dort wartet die Schlüsselstelle, fünf Meter über dem Hacken, an kleinsten Leisten im ziemlich abdrängenden Gelände. Die Bedingungen waren auf Grund der großen Hitze weit von perfekt entfernt, aber nach etwa sechs Stunden kam ich am Gipfel des Monte Colodri an. Es war ein tolles Gefühl, alle Seillängen frei geklettert zu haben und am Gipfel einfach nur zufrieden zu sein und den herrlichen Ausblick zu genießen.


Eine echte Herausforderung: der Monte Colodri am Gardasee.

Von Italien aus haben wir uns auf den Weg nach Frankreich gemacht, unser nächstes Kletterziel. Dort wollten wir nach Briancon, das nahe an der italienischen Grenze liegt. Ich habe viel über dieses Gebiet gehört und erzählt bekommen. Deshalb haben wir beschlossen, den aktuellen Kletterführer zu bestellen und dort unseren Kletterurlaub zu verbringen. Laut Führer und Erzählungen überzeugt die Region mit ihren vielseitigen Klettermöglichkeiten im Granit, Gneis, Konglomerat, Kalk oder Quarzit. Da ich unterschiedliche Kletterei liebe, passte das wunderbar. Als der Postbote endlich den bestellten Kletterführer brachte, war ich nach dem ersten Durchblättern erstmal enttäuscht. Die Topos und Bilder waren nicht aussagekräftig genug, um einen zeitlichen Plan aufzustellen. Deshalb verabredete ich mich kurz vor Reisebeginn noch mit einem Bekannten, der dort schon öfters war, um mir die besten Klettergebiete zeigen zu lassen.


Traumhafte Landschaft: das Tal in Briancon, Frankreich.

Endlich in Briancon angekommen, war ich von dem tollen Tal, der traumhaften Landschaft und dem tollen Ambiente begeistert. Zum Einklettern wählte ich die Schlucht „Le Rif d’Oriol“. Wie sich herausstellte, war die Schlucht für den eher warmen Tag wie geschaffen. Denn dort war es schattig und es wehte ein kühler erfrischender Wind. Die Felsqualität war sehr gut und die Wände links und rechts der Schlucht hatten eine einzigartige Struktur. Ich konnte Routen bis zum Grad 7b+ klettern, obwohl die Routen nicht ganz leicht waren. Die weitere Gebietswahl war dann leider nicht mehr so erfolgreich. Wie bereits erwähnt, waren wir mit dem Führer nicht ganz glücklich. Die angegebenen Himmelsausrichtungen der Gebiete stimmten nur teilweise.

Für den nächsten Tag wählte ich ein Gebiet aus, das am Nachmittag im Schatten sein sollte. Deshalb frühstückten wir gemütlich und brachen erst spät auf. Leider fanden wir dort ein Gebiet vor, das morgens im Schatten und nachmittags in Sonne war. Deshalb war der Start in diesen Klettertag dann erst einmal mit einem weiteren Gebietswechsel in einen Schattensektor verbunden. Wir beschlossen, es am nächsten Morgen nochmal zu versuchen. Gesagt, getan. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn wir fanden dort viele tolle lange Routen mit einigen sehr kniffligen Einzelstellen vor. Auch dort konnte ich bis 7b+ tolle Kletterei genießen und eine Tour nach der anderen spulen. Am Abend ging es gleich weiter ins nächste Tal zum Konglomerat klettern. Die Kletterei im Konglomerat-Gebiet „Rue des masques“ war ebenfalls sehr gut und es dominierte athletische Kletterei. Der Fels dort ist steil und man kann die Hallenfitness und Ausdauer gut gebrauchen. Das Gebiet war leider etwas überlaufen. Deshalb war ein paar Mal Anstellen und Warten angesagt – manchmal auch bei 7c‘s oder darüber hinaus. Da ich auf Anstellen keine Lust hatte spulte ich die Touren, die gerade frei waren.


Patricia Lihs gönnt sich eine kurze Pause.


Für Patricia Lihs ist keine Route zu schwer.

Nach ein paar Tagen Sportklettern war es an der Zeit, wieder Mehrseillängen zu klettern. Laut Führer sollte man sich deshalb das Mehrseillängengebiet Ailefroide nicht entgehen lassen. Das Gebiet liegt auf über 2.500 Meter Höhe. Deshalb ist es dort immer kühl und es herrschen tagsüber optimale Bedingungen. Selbst in der Sonne war es nicht zu heiß und das Klettern im Granit somit einfach perfekt. Nachts machte sich dann die Höhe über dem Meeresspiegel bemerkbar und kühlte, obwohl wir Hochsommer hatten, auf fünf Grad ab. Die Mehrseillängen waren echt toll, aber leider war das ganze Tal um Ailefroide auch etwas überlaufen. Nach ein paar schönen und entspannten Tagen mit einigen Mehrseillängen kam die Lust auf schwere Sportkletterprojekte zurück.

Es ging zurück in Richtung Vallouise. Während wir über Serpentinen bis zum Pass auf etwa 1.500 Höhenmeter fuhren, um ins Nachbartal zu kommen, passierte das Unglück. Mein noch nicht drei Jahre altes Auto hatte einen Schaden am Turbosystem. So strandeten wir vorübergehend mitten im Niemandsland. Drei Stunden Wartezeit und einige Telefonate mit gebrochen Englisch sprechenden Personen später kam dann der Abschleppdienst.


Routen zum Rissklettern durften natürlich nicht fehlen.

Leider war der Zeitpunkt, an dem unser Auto den Geist aufgab, denkbar ungünstig, da das Wochenende vor der Tür stand und am darauffolgenden Montag auch noch Feiertag war. Deshalb beschlossen wir, uns nach Briancon auf einen Campingplatz schleppen zu lassen. Wie sich später herausstellte, sollten wir dort dann leider die nächsten acht Tage verbringen.

Auf Rumsitzen und Warten hatte ich aber mal gar keine Lust. Also nahmen wir uns am nächsten Tag ein Mietauto, um wieder mobil zu sein und zumindest die nahegelegenen Klettergebiete unsicher machen zu können. Wir versuchten trotzdem, das Beste aus der Situation zu machen. Allerdings war unser Reiseplan erstmal dahin. Wir überbrückten die Zeit bis Dienstag mit mehreren mittelmäßigen Gebieten und hofften, dass wir unser Auto bald richten lassen konnten. Leider hatten wir den Plan ohne die französischen Werkstätten gemacht, denn in Frankreich war auch Urlaubszeit. So hatte in ganz Briancon nur eine Werkstatt geöffnet. Die Werkstatt war noch dazu gut ausgebucht und man gab uns relativ unbeeindruckt zu verstehen, dass wir vor Freitag wohl nicht mit einer Reparatur rechnen konnten. Deshalb hieß es erstmal weiter Warten. Das Leihauto mussten wir nach einigen Tagen zurückgeben, da der Preis dafür leider nicht ganz billig war. So blieb uns nichts anderes übrig und wir verbrachten die letzten drei Tage von unserem Urlaub in Briancon am Pool vom Campingplatz.


Immer aufwärts, die Landschaft von Biancon unter den Füßen.

Ich schmiedete jedoch neue Pläne, wie es nun weitergehen sollte. Schwer klettern war mir in diesem Sommer anscheinend nicht richtig vergönnt. Erst hinderte mich eine Schulterverletzung, jetzt der Schaden am Auto. Ich dachte mir: „Vielleicht sollte ich etwas ganz Anderes machen? Wie wäre es mit einer alpinen Hochtour zum Beispiel?“

Wohin es Patricia Lihs tatsächlich verschlagen hat, erfahrt Ihr im zweiten Teil ihres Berichtes. Die Fortsetzung folgt in Kürze auf unserem Blog. Seid dabei!