Jobs in Tanks oder Kanalschächten zählen in der Industrie zu den gefährlichsten überhaupt. Die Arbeiten in beengten Räumen sind eine echte Herausforderung – auch für das Team von Söll Gerüstbau, das in einer Kläranlage im Allgäu eine Premiere erlebte.

In Kesseln oder Silos kennen sich die Männer von Söll Gerüstbau aus. Denn für das Unternehmen aus Neusäß in der Nähe von Augsburg gehört die Sanierung und Instandhaltung industrieller Behälter zum Alltag. Wenn Arbeiten wie diese anstehen, sind echte Spezialisten am Werk. Denn die Räume sind eng umschlossen, Menschen können sich in dieser Umgebung in der Regel kaum bewegen. Und es besteht ein großes Risiko, bei der Arbeit in die Tiefe zu stürzen. Dieses Jobs zählen in der Industrie daher zu den gefährlichsten überhaupt.


Einsatzort Faulbehälter: Die Kläranlage im Allgäu.


Einsatzort Faulbehälter: Die Kläranlage im Allgäu.

Als das Team von Söll Gerüstbau in den Allgäu ausrückte, deutete zunächst wenig auf einen besonderen Einsatz in. Innerhalb eines Faulbehälters in einer Kläranlage in Lauben sollte die Betonwand saniert werden. Das ist nicht unüblich. Denn der anfallende Klärschlamm greift die Beschichtung an, regelmäßige Arbeiten zur Instandhaltung sind daher notwendig. Vor Ort angekommen, mussten sich die Mitarbeiter jedoch einer Herausforderung stellen. „Am Boden wäre der Einstieg nur durch ein 60 Zentimeter großes Mannloch möglich gewesen. Aus Sicherheitsgründen durften wir den Behälter daher nicht von unten betreten“, sagt Klaus Jahn, Projektleiter und Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Söll Gerüstbau. Er musste daher nach einem alternativen Weg suchen, wie die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz kommen konnten. Die Antwort: Durch Mannlöcher auf dem Dach der Faulbehälter. „Obwohl wir so viele Einsätze in der Industrie haben, ist das noch nie vorgekommen. Es war eine Premiere, dass die Kollegen nur von oben in diesen Behälter gelangen konnten.“

Hängetrauma droht

Um in diesem Umfeld sicher arbeiten zu können, ist einiges zu beachten. So müssen Beschäftigte selbstverständlich Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) tragen. Dazu gehört auch ein Gurt, der mit Brust- und Rückenösen ausgestattet sein sollte. Dadurch ist es im Falle eines Sturzes möglich, verletzte oder bewusstlose Personen anzuschlagen. Auch ein Rettungsgerät ist ein Muss. Es kommt zum Einsatz, wenn sich eine verunfallte Person im Notfall nicht mehr selbst in Sicherheit bringen kann. Liegt eine Person beispielsweise bewusstlos am Boden des Behälters, droht ihr akuter Sauerstoffmangel durch womöglich auftretende Gase. Im schlimmsten Fall führt dies dann zum Ersticken. Zudem besteht das Risiko eines sogenannten Hängetraumas. Das kann eintreten, wenn der Betroffene nach einem Sturz regungslos in seinem Sicherheitsgurt hängt und die Blutzirkulation eingeschränkt wird. Dabei verliert die Person das Bewusstsein. Wird sie in diesem Zustand am Seil hängen gelassen, kann dies bereits nach wenigen Minuten zu seinem Tod führen. Bei der Rettung zählt daher jede Sekunde.

Klaus Jahn musste bei seinen Planungen daher einen weiteren Faktor mitdenken. „Es ging nicht nur darum, wie wir die Mitarbeiter nach unten bringen. Es ging eben auch um die Frage der Rettung“, sagt Klaus Jahn. Aus gutem Grund muss jeder Unternehmer sicherstellen, dass eine Rettung verunfallter Personen durch eigenes Personal gewährleistet werden kann. Das ist unverzichtbar. Denn Feuerwehren oder Rettungskräfte schaffen es häufig nicht schnell genug an den Einsatzort, insbesondere in ländlichen Regionen. Zudem fehlen ihnen oftmals das passende Equipment und die spezielle Ausbildung für solche schwierigen Rettungen.


Der Zugang erfolgte über eine Seilwinde.



Mit seinem speziellen Problem ging Klaus Jahn auf SKYLOTEC zu. Dazu hatte ihm der Großhändler Lutz aus Gersthofen geraten, der unter anderem auf die Bereiche Arbeitsschutz und Berufskleidung spezialisiert ist und bei komplexen Fragestellungen wie dieser eng mit uns zusammenarbeitet. Johannes Schuster, einer unserer Kollegen in Süddeutschland, hat Klaus Jahn direkt am Einsatzort besucht. „Innerhalb eines Tages haben wir eine individuelle Komplettlösung erhalten“, freut sich der Projektleiter über die schnelle Umsetzung. Weil das Befahren von Behältern durch einen beengten Zugang erschwert ist, sind Dreibock- oder Davit-Auslegerarme als Systeme zur Absturzsicherung optimal geeignet. Somit fiel die Wahl in diesem Fall auf ein Dreibock-System aus unserer Serie JACKPOD.

Absturzsicherung mit Dreibock

Um in den Faulbehälter einzusteigen, wurde der Dreibock direkt über dem Zugang aufgestellt, die Mitarbeiter mit einer Personenwinde durch eine ebenfalls gegen Absturz gesicherte Mannlochwache eingefahren. Dadurch ist ein Absturz nahezu auszuschließen. Ein Mitarbeiter von Söll schlug dabei das Windenseil mit einem Karabiner an der Brustöse seines Auffanggurtes an, zudem wurde ein Höhensicherungsgerät mit integriertem Rettungshub mit seiner Rückenöse verbunden. Als er einen festen Standplatz erreicht hat, konnte er das Windenseil aushaken. Das wurde von seinem Kollegen nach oben eingeholt, er hätte es im Notfall als Zugangsseil verwenden können. Bei der Sanierung im Inneren des Behälters hielt sich daher auch immer ein dritter Kollege mit angelegter PSAgA in Rufweite auf, um im Notfall die Seilwinde bedienen zu können. Eine Rettung des verunfallten Kollegen hätte er so schnell und sicher einleiten können.

Zu einer bedrohlichen Situation ist es für das Team von Söll Gerüstbau nicht gekommen, sie konnten ihren Job ohne Zwischenfälle erledigen. Notwendig dafür war auch eine Unterweisung durch Johannes Schuster. Er hat den Anwendern unmittelbar erläutert, was sie beim JACKPOD beachten müssen. „Mit Hilfe von SKYLOTEC konnten wir uns schließlich gegen Absturz sichern und waren gleichzeitig auch auf einen Notfall gut vorbereitet“, ist Klaus Jahn zufrieden.